Walter Koch

Ein Lebens-Lauf - Mein Weg zum Marathon

Wie bin ich nun zum Laufsport gekommen?

Leider habe ich früher, als ich jung war, keinen Sport ausgeübt. Ich war total unsportlich und steif. Sport gab es nur in der Schule und bei der Bundeswehr. Allerdings erinnere ich mich, dass ich bei Ausdauerläufen überhaupt keine Probleme hatte, während meine Kameraden fix und fertig waren.

Zum Laufen kam ich erst sehr spät, während eines Urlaubs auf einem Bauernhof im Schwarzwald. Der Gastgeber war selbst Marathonläufer und der hat mich einfach mitgenommen. (Aber nur 700 m mit anschließender Gehpause, dann wieder 700 m und Gehpause und das gleiche zurück). Das war zu Beginn wirklich alles, aber es hat mir unheimlich gut getan.

Ich war damals eigentlich nicht krank aber auch nicht gesund. Ich hatte Durchblutungs- und Schlafstörungen. Eine lebensgefährliche Erkrankung meiner Frau trug dazu bei. Unsere beiden Söhne waren damals sechs und vier Jahre alt. Gerade erst im Monat Januar 1972 bekam ich eine neue Position in einer namhaften Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das alles zusammen war sehr viel für mich. Ich stellte fest, dass ich eine Seele hatte. Es traten vegetative Probleme auf - ich war ängstlich und sehr nervös.

Durch den Laufsport verschwanden im Laufe der Zeit alle muskulären Verspannungen, auch meine seelischen Probleme. Ich lief übergewichtig mit fast 90 Kilogramm bei 186 Zentimetern Größe (Mein damaliges Wettkampfgewicht: 72kg, heute 78kg) um meinen Wohnort. Ich hatte zunächst auch keinen Trainingsplan.

Der Erfolg kam auch nicht schnell. 1979 lief ich meinen ersten Wettkampf, einen Zehn-Kilometer-Volkslauf in der Nähe von Stuttgart und brauchte rund 44 Minuten. Meinen ersten Marathon lief ich 1981 auf der Hornisgrinde im Schwarzwald. Es ist für mich noch heute ein unvergessenes Glück, ich schaffte einen Marathon im Alter von 41 Jahren in 2:49:19 Std. und war nicht kaputt.

Zum Vergleich:

Mit 50 Jahren lief ich in Rotterdam 2:28:09 Std.
Mit 55 Jahren beim Hanse-Marathon in Hamburg 2:32:43 Std.
Mit 60 Jahren bei dt. Meisterschaft in Duisburg 2:39:49 Std.
Mit 65 Jahren in Kandel 2:47:41 Std.
Mit 70 Jahren beim Gutenberg Marathon in Mainz 3:03:38 Std.

Alle diese genannten Zeiten sind heute noch deutsche Altersklassenrekorde.

Biologische Anpassungen des Körpers

Fitness- und Ausdauertraining benötigt Zeit. Natürlich kann es bei einem hohen Trainingsumfang zu Gesundheitsproblemen kommen: Gelenke, Muskeln Sehnen und Bänder werden z.B. beim Langstreckenlauf außerordentlich beansprucht.

Auch ich bin nicht von Verletzungen verschont geblieben. Schon nach wenigen Jahren der Laufkarriere bekam ich heftige Knieprobleme. Ein Orthopäde röntgte und diagnostizierte: Arthrose. Sein Therapievorschlag: Mit dem Laufen aufzuhören. Das wollte ich auf keinen Fall. Später riet eine Orthopädin zu der Einnahme des hochreinen

Kollagen-Hydrolysat "CH - Alpha"

und tatsächlich waren nach ca. elf bis zwölf Wochen meine Beschwerden weg. Das "CH - Alpha" nehme ich heute noch täglich ein.

Mein Verletzungsproblem ist kein Einzelfall. Professor Hans-Hermann Dickhuth, ehemaliger sportärztlicher Chef der Universitätsklinik Freiburg und ausgewiesener Langstrecken-Medizinexperte, stellt bei älteren Läufern häufig folgende Diagnose: "Bei den über 65jährigen nimmt die Zahl derjenigen mit Beschwerden stark zu. Etwa ein Drittel von ihnen leidet an Knieproblemen, Rückenproblemen, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufbeschwerden."

Laufen und seine Schwesterdisziplin Walking, also das sportliche Gehen ist mehr ...

als nur ein Bein vor das andere zu setzen! Sie sind hervorragend für junge und ältere Menschen geeignet. Bei welcher Sportart können Enkel und Opa schon gemeinsam trainieren? Für das Laufen und das Walking ist man nie zu alt. Oft glauben wir, dass im Alter alles bergab geht. Nicht so im Ausdauersport. Manche sagen: "Ausdauersport ist öde". Vielleicht können sie mit sich selbst nicht alleine sein? Neben unbestrittenen positiven Effekten schult langsamer Dauerlauf und Walking die mentale Stärke, bietet zudem die Chance prima nachzudenken, Stress abzubauen und durch Wachrufen von Urinstinkten sich wieder als ein Glied der Natur zu empfinden. Laufen ist für den Menschen die natürlichste Sache der Welt. Wir sind nun einmal von der Mutter Natur nicht mit einer Fernbedienung in der Hand und einem Gaspedal an den Füßen geschaffen worden, sondern mit Beinen zur Fortbewegung.

Laufen als Traum der ewigen Jugend möchte ich für andere nicht vorleben. Als Realist brauche ich nur in den Spiegel zu schauen. Laufen ist für mich keine Flucht vor dem Alter, sondern meist Erfrischung und Entspannung, was ich hoffe, bis ins hohe Alter ausüben zu können. Ich kann mich gut motivieren und auch einschätzen. Sicher gibt es fanatische Senioren, die auch etwas zu kompensieren haben. Mir macht Laufen schlicht und einfach Spaß! Ich glaube aber, dass im Alter der Trainingsehrgeiz nachlässt. Auch ich musste mich manchmal, wenn kein Wettkampfziel vorhanden war, nach einem harten Arbeitstag, besonders bei Regen und Dunkelheit, zu einem Lauf überreden. Dazu kamen mir kleine Herausforderungen zu Hilfe wie z.B. diese:

Wettkampf mit einem Radrennfahrer

Im Sommer des Jahres 1999 kam es unfreiwillig zu einem Wettkampf mit einem Radrennfahrer. Ich trainierte auf meiner Hausstrecke, die in einer steilen Serpentine in den Schönbuch führt. Hinter mir hörte ich einen Radrennfahrer der auf der gleichen Strecke trainierte. Er überholte mich zu Beginn der Steigung. Ich versuchte an ihm dran zu bleiben. Das gelang. Er merkte das und gab Gas. Ich auch. Er stieg aus dem Sattel und gab alles was in ihm steckte. Kurz vor dem Ende habe ich ihn doch noch überholt und fragte ihn dann:

"Sie sind mir doch nicht böse, dass ich sie überholt habe".

Er fuhr wortlos weiter und ich war so kaputt, dass ich das Training für diesen Tag beenden musste.

Es wurde mir oft die Frage gestellt, wie ich ein so umfangreiches Lauftraining mit meinen beruflichen Aufgaben als Abteilungsleiter innerhalb einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vereinbaren konnte. Nicht nur im sportlichen Wettkampf sind Spitzenleistungen gefragt, auch in einer marktwirtschaftlichen Wettbewerbsgesellschaft werden exzellente Leistungen honoriert. Es ist wirklich ein Problem, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen. Der Zeitdruck wird immer größer. Aus diesem Grund versuchte ich an Werktagen abends kurze und schnellere Läufe und eben am Wochenende die längeren Läufe durchzuführen.

Ich persönlich glaube an die wechselseitige Querverbindung

"Erfolg im Sport - Erfolg im Beruf"

Wichtig ist dabei, dass die Sporttreibenden die eigenen Grenzen und Möglichkeiten kennen.

Leistungssport im Seniorenbereich

Der Seniorensport boomt. Die internationalen Meisterschaften der Senioren verzeichnen immer mehr Teilnehmer, immer bessere Leistungen und auch immer mehr Zuschauerinteresse. Höhepunkte dieser Entwicklung bilden in der Leichtathletik die Senioren- Welt- und Europameisterschaften. Ebenso die Marathonläufe in New York, in Berlin und in London mit Wertungen für Senioren.

Für mich ist es ein Glück gewesen, dass ich zum Laufsport gefunden habe. Ich lebe gesund, ich konnte reisen, ich habe meinen Horizont erweitert. Dabei denke ich z.B. an die neunmalige Teilnahme am New York City Marathon mit interessanten Begegnungen.

Gleich bei meiner ersten Teilnahme im Jahre 1984 sprach mich ein Amerikaner vor der Startaufstellung auf dem Aufwärmplatz in Staten Island deutsch an. Er kam aus St. Petersburg, Florida und war 84 Jahre alt. Ich fragte ihn woher er weiß, dass ich Deutscher bin. Ja, das ist ganz einfach meinte er, sie haben ja eine Plastiktüte für ihre Kleider dabei und da steht darauf: "Wertkauf hilft sparen". Und das Tolle: Er kam mit einer Zeit um die 6 Stunden ins Ziel.

Das Jahr 1986 war eigentlich mein erfolgreichstes Jahr. So konnte ich als 46jähriger im September in Berlin meine Bestzeit mit 2:25:49 Std. erzielen. Das bedeutet, dass jeder Kilometer in einer Zeit von 3 Minuten und 27 Sekunden gelaufen werden muss. Und das 42 mal. Dann folgte fünf Wochen später der New York City Marathon. Bis Kilometer 27 konnte ich mit der damals schnellsten Frau der Welt, Grete Waitz, sie war Norwegerin, Seite an Seite laufen. (Sie war eine sehr nette Frau, leider starb sie im Jahre 2011.) Ein unvergessenes Erlebnis waren die Hubschrauber über uns und die Fernsehkameras vor uns. Wir beide kamen alleine über die Queensboro-Bridge gelaufen. Sie endet in einem großen Bogen, der in die First-Avenue mündet. Hier stehen wirklich Hunderttausende von begeisterten Zuschauern auf beiden Seiten der Straße. Die große Begeisterung und der tosende Beifall haben natürlich der ersten Frau im Rennen gegolten und nicht mir. Das machte mir aber nichts aus. Ich winkte trotzdem in die Zuschauermassen. Den Lärm höre ich heute noch in den Ohren. Im Ziel war sie dann zwei Minuten vor mir. Den Berlin-Marathon, fünf Wochen vorher, hatte ich eben noch nicht ganz verdaut.

Der Südwestrundfunk hatte im Jahre 1998 die Idee gehabt, Fernsehaufnahmen für einen Bericht über meine Teilnahme beim New York City Marathon zu machen. Gesagt, getan. Ein SWR-Kamerateam war mit in New York dabei. Aufnahmen sollten natürlich nicht nur während des Rennens, sondern auch beim Start erfolgen. Um mich dann auch am Start zu sehen, musste ich doch ganz vorne sein. Was sonst auf Grund meiner gelaufenen Zeiten normal ist, dass ich an der Startlinie stehe, klappte ausgerechnet diesmal nicht, weil sehr viele Läufer mit schlechteren Meldezeiten mich einfach nicht nach vorne ließen.

Ihr Kommentar: Da kann ja jeder kommen
Ein anderer meinte: Nicht einmal der Kaiser v. China kommt hier durch
Ein dritter meckerte: Typisch deutsch

Trotz der unruhigen Zeit von vier Tagen Fernsehaufnahmen in Manhattan konnte ich doch im Alter von fast 58 Jahren die Altersklasse in einer Zeit von 2:39:09 Std. gewinnen.

Im Jahre 1999 hatte ich in New York einen Superlauf erwischt, war gut durchgekommen. Im Ziel hat mich meine Familie abgefangen, und als ich mich duschte, haben sie im Internet schon nach meiner Platzierung geschaut. Nur Zweiter meiner Altersklasse. Einer war schneller. Unvorstellbar für mich, zumal mir der schnellere auf der Strecke gar nicht aufgefallen war. Bei der Siegerehrung war ich überrascht als mich die Hostessen doch zur ersten Stufe des Siegertreppchens lotsten. Ich konnte es kaum fassen. Der vor mir ins Ziel gelaufen war, war mittendrin ins Rennen eingestiegen. Die Rennleitung merkte es - ohne viel Federlesens wurde der Betrüger disqualifiziert. Ja nicht einmal mehr erwähnt.

Durch die Bewegung beim Sport bin ich ein anderer Mensch geworden. Ich war entspannt, bin sicherer geworden, belastbarer. Die bessere Durchblutung meines Körpers war für mich intensiv spürbar geworden.

© by Walter Koch